Am 3. Januar 2026, heute vor genau acht Monaten, begann für Zehntausende Menschen im Berliner Südwesten ein Ausnahmezustand.

Ein gezielter Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Lichterfelde legte große Teile von Zehlendorf, Lichterfelde, Nikolassee und Wannsee lahm. Rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe waren zunächst ohne Strom. Bei winterlichen Temperaturen fielen vielerorts auch Heizung, Warmwasser, Telefon und Internet aus. Erst nach mehr als 100 Stunden waren alle Anschlüsse wieder versorgt.

Zu der Tat bekannte sich eine sogenannte Vulkangruppe aus dem linksextremistischen Spektrum. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen wegen Terrorverdachts. Unter dem Namen „Vulkangruppen“ werden seit Jahren Anschläge auf Infrastruktur in Berlin und Brandenburg verübt beziehungsweise entsprechende Bekennerschreiben veröffentlicht.

Fünf Tage, die ich nicht vergessen werde

Peer Döhnert während des fünftägigen Blackouts in Zehlendorf bei der Versorgung vor Ort

Ich habe diese Tage selbst unmittelbar erlebt. Menschen saßen bei Minusgraden in kalten Wohnungen, ältere und hilfsbedürftige Menschen mussten versorgt werden, Geschäfte konnten nicht öffnen, Kommunikation brach zusammen.

Gleichzeitig habe ich erlebt, wie Nachbarschaft funktioniert, wenn es darauf ankommt: Menschen halfen einander, organisierten Wärme, Essen, Informationen und Notstrom.

Diese fünf Tage habe ich in meinem Film „Der Lotse – Fünf Tage Blackout in Zehlendorf“ festgehalten.

→ Hier geht es zum Film „Der Lotse“

Acht Monate später: Schon wieder Angriffe auf unser Stromnetz

Wer glaubt, damit sei das Thema erledigt, sollte sich die Ereignisse dieser Woche ansehen.

Nahe Jänschwalde in Brandenburg wurden mit selbstgebauten Vorrichtungen Hochspannungsleitungen angegriffen. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Terrorverdachts. Nur Stunden später wurde auch ein Umspannwerk in Bergheim in Nordrhein-Westfalen gezielt attackiert. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke gingen infolge des Angriffs vom Netz. In Bergheim prüfen die Ermittler sowohl einen linksextremistischen als auch einen fremdstaatlichen Hintergrund. Wer hinter den Taten steckt, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Zwei Angriffe auf unsere Energieversorgung innerhalb weniger Stunden – acht Monate nach dem Blackout von Zehlendorf.

Und trotzdem spielt dieses Thema im Berliner Wahlkampf praktisch keine Rolle.

Ideologie darf niemals über Menschenleben stehen

Natürlich tragen die Täter selbst die Verantwortung für ihre Taten. Aber damit ist die politische Diskussion für mich nicht beendet.

Seit Jahren wird unter vermeintlich höheren ökologischen Zielen gegen Kraftwerke, Fahrzeuge, Unternehmen und Infrastruktur mobilisiert. Teile des linksextremistischen Spektrums gehen längst einen Schritt weiter und erklären Sabotage und Zerstörung zum legitimen Mittel ihres politischen Kampfes.

SPD, Grüne und Linke sollten sich deshalb nicht damit begnügen, einen Anschlag zu verurteilen und anschließend zur Tagesordnung überzugehen. Sie müssen sich auch der Frage stellen, wo die Grenze zwischen radikaler politischer Rhetorik, der Verklärung von „zivilem Ungehorsam“ und dem offenen Angriff auf unsere Infrastruktur verläuft.

Wenn Klimaschutz zum politischen Absolutum erklärt wird, dem sich Energieversorgung, Wirtschaft und individuelle Freiheit immer weiter unterzuordnen haben, entsteht ein gesellschaftliches Klima, in dem Radikale sich selbst zu Vollstreckern einer vermeintlich höheren Moral erklären können.

Das ist für mich der Punkt, an dem aus Klimapolitik Klimawahn wird.

Kritische Infrastruktur ist keine Nebensache

Der Januar hat uns in Steglitz-Zehlendorf gezeigt, wie verletzlich eine moderne Großstadt ist.

Strom, Wärme, Wasser, Kommunikation und Verkehr sind keine Selbstverständlichkeiten. Ihr Schutz gehört zu den elementaren Aufgaben eines funktionierenden Staates.

Fünf Tage Blackout dürfen keine Fußnote des Jahres 2026 werden.

Und acht Monate später lautet die entscheidende Frage für mich nicht nur: Wer waren die Täter? Sondern auch: Was haben wir seitdem getan, damit so etwas nicht wieder passiert?

Peer Döhnert
Gesunder Menschenverstand. Herz und Schnauze.
Politik aus Steglitz-Zehlendorf