Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Dieser Tag erinnert uns daran, wohin politische Eskalation, Feindbilder und schließlich Krieg führen können.

87 Jahre später ist Europa wieder mit Krieg, Aufrüstung und einer immer schärferen Sprache konfrontiert. Ausgerechnet am 1. September erklärte die Bundesregierung Russland für den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich und kündigte weitere Gegenmaßnahmen an. Außenminister Johann Wadephul erklärte, Deutschland befinde sich zwar nicht im Krieg mit Russland, sei aber „Kriegsziel“.

Gerade an einem solchen Tag sollte uns bewusst sein, wie wichtig Besonnenheit ist. Frieden bedeutet nicht Schwäche. Diplomatie bedeutet nicht Kapitulation. Und die Forderung, eine weitere Eskalation zu verhindern, ist keine Parteinahme für eine Kriegsseite.

Gleichzeitig erleben wir im politischen Streit immer häufiger historische Gleichsetzungen. Wer die AfD wählt, wird mit den dunkelsten Jahren deutscher Geschichte in Verbindung gebracht; politische Gegner werden nicht mehr nur kritisiert, sondern moralisch ausgegrenzt. Auch das halte ich für falsch. Geschichte ist zu ernst, um sie als Wahlkampfkeule zu benutzen.

Mein Schild trägt bewusst die Jahreszahl 1914. Christopher Clark beschreibt in „Die Schlafwandler“, wie Europas Mächte Schritt für Schritt in eine Eskalation gerieten, die schließlich niemand mehr kontrollierte. Aus Drohungen, Bündniszwängen, Fehleinschätzungen und immer neuen Entscheidungen wurde Krieg. Am Ende standen Millionen Tote und ein zerstörter Kontinent.

Deshalb bleibt meine Botschaft unabhängig von Parteien und Tagesmeldungen:

Waffenlieferungen sind so 1914.

Nie wieder Krieg. Nie wieder ist jetzt.

Peer Döhnert
Gesunder Menschenverstand. Herz und Schnauze.
Politik aus Steglitz-Zehlendorf