Februar 2026, BVV Steglitz-Zehlendorf: Beim Steglitzer Kreisel ging die Linke frontal gegen die Adler Group vor. Im Raum standen weitreichende Forderungen an das Bezirksamt bis hin zu Maßnahmen gegen die bestehende Baugenehmigung. Hinter dieser Linie stand zugleich ein noch schwerwiegenderer Verdacht: Die Adler Group könnte Öffentlichkeit, Politik und private Käufer von Beginn an über ihre tatsächlichen Absichten getäuscht und das Projekt womöglich nie ernsthaft zu Ende führen wollen.
Für eine solche, von Beginn an bestehende Täuschungsabsicht gibt es bis heute keinen öffentlich bekannten Nachweis.
Dieser Vorwurf und die daraus abgeleiteten Forderungen waren aus Sicht von Peer Döhnert zurückzuweisen. Finanzierungsschwierigkeiten, erhebliche Verzögerungen bei einem hochkomplexen Bauvorhaben oder selbst das spätere Scheitern eines Projekts sind nicht dasselbe wie der Nachweis, dass ein Investor von Anfang an mit Täuschungsabsicht gehandelt hat.
Die Forderung, aus einem solchen Verdacht heraus mit den schärfsten Mitteln gegen die genehmigungsrechtliche Grundlage des Projekts vorzugehen, war zudem kaum geeignet, den Steglitzer Kreisel seiner Fertigstellung näherzubringen. Im Gegenteil: Der Entzug der Baugenehmigung würde die ohnehin schwierige Situation weiter verschärfen.
André Gaufer greift die damalige Wortmeldung nun in einem „Faktencheck“ auf seiner Firmenseite PROfinance auf und deutet sie als Verharmlosung der Lage sowie als Widerspruch zu kritischen Positionen innerhalb der AfD. Dabei verliert er den Ausgangspunkt der Auseinandersetzung aus dem Blick.
Kritische Fragen zum Baufortschritt, zu Investitionen, zur Vertragserfüllung und zum Umgang mit den Käufern sind völlig legitim. Sie stehen auch nicht im Widerspruch zu den parlamentarischen Nachfragen von Dr. Kristin Brinker (AfD) im Abgeordnetenhaus. Diese betreffen die Frage, was beim Steglitzer Kreisel tatsächlich geschehen ist, welche Verpflichtungen erfüllt wurden und welche Verantwortung heute besteht.
Die Behauptung einer bereits von Beginn an angelegten Täuschung ist dagegen eine andere – und wesentlich weitergehende – Aussage.
Genau hier stellt sich die Frage: Faktencheck oder Framing?
Wenn aus der Zurückweisung eines solchen unbelegten Vorwurfs im Nachhinein eine pauschale Verteidigung der Adler Group gemacht wird, verschiebt sich der Deutungsrahmen. Aus einer konkreten Aussage zu einem konkreten Vorwurf entsteht so ein vermeintlicher Widerspruch, der in der Sache nicht besteht.
Und auch André Gaufer wäre mit der von der Linken geforderten Eskalation nicht geholfen gewesen: Ein Entzug der Baugenehmigung würde auch ihn unmittelbar betreffen. Als Käufer würde er selbst zu den Verlierern gehören.
Zum Beitrag von André Gaufer auf PROfinance
Der Steglitzer Kreisel wird uns darüber hinaus weiter beschäftigen. Die Interessen und Rollen der Adler Group, von André Gaufer, des Landes Berlin, der politischen Akteure und der Öffentlichkeit verdienen eine eigene, ausführlichere Betrachtung. Darauf werde ich in einem gesonderten Beitrag zurückkommen.
Peer Döhnert
Gesunder Menschenverstand. Herz und Schnauze.
Politik aus Steglitz-Zehlendorf
